Am 17. Juni 2010 hat eine Expertenkommission im Auftrag der
Kultusministerkonferenz (KMK) und des Bundesministeriums für Bildung und
Forschung (BMBF) den dritten Nationalen Bildungsbericht vorgelegt. Für den
Bericht wurden keine neuen Daten erhoben, sondern existierende Daten gebündelt,
systematisch dargestellt und daraus Ableitungen vorgenommen. Im Rahmen einer
Analyse wurden speziell auch die Chancen und Herausforderungen des
demografischen Wandels näher beleuchtet.
Wichtige Ergebnisse
- Der Ausbau der frühkindlichen Bildung geht stetig voran. So ist die
Bildungsbeteiligung der unter Dreijährigen in den letzten drei Jahren weiter
angestiegen und liegt aktuell bei 45 Prozent in Ost- und 15 Prozent in
Westdeutschland. Die Beteiligung von Kindern zwischen vier und fünf
Jahren ist auf hohem Niveau konstant (über 95 Prozent).
- Der Ausbau von Ganztagsschulen schreitet weiter voran. Derzeit nimmt etwa
ein Viertel aller Schüler Ganztagesangebote in Anspruch. Die überwiegende Zahl
der Schulen arbeitet dabei im offenen Modell.
- Insgesamt lässt sich ein allmählicher Anstieg des Bildungsstandes
beobachten. So hält der Trend zur Hochschulreife an, während der Anteil der
Schulabgänger ohne Abschluss zwischen 2004 und 2008 – allerdings nur wegen der
Entwicklung in Westdeutschland – von 8,5 Prozent auf 7,5 Prozent
zurückgegangen ist. Auch das Kompetenzniveau im PISA-Lesetest hat sich
zwischen 2000 und 2006 erhöht.
- Dennoch gibt es nach wie vor einen erheblichen Anteil von Personen, die
nicht über einen Berufsabschluss verfügen und zugleich nicht mehr an
Bildungsmaßnahmen teilnehmen. Dieser liegt in der Gruppe der 20- bis
30-Jährigen bei 17 Prozent, bei den gleichaltrigen Personen mit
Migrationshintergrund sogar bei 31 Prozent.
- Die Studienanfängerquote hat mit 43,3 Prozent einen neuen Höchststand
erreicht und die politische Zielmarke von 40 Prozent deutlich übertroffen. Von
den Studienberechtigten nehmen nach wie vor etwa drei Viertel tatsächlich ein
Studium auf. Dieser Anteil ist deutlich größer, wenn bereits mindestens ein
Elternteil ein Studium abgeschlossen hat.
- Herausforderungen aufgrund der demografischen Entwicklung ergeben sich auf
vielfältige Weise. Bereits jetzt sind 40 Prozent des gesamten im
Bildungsbereich tätigen Personals und 50 Prozent der Lehrkräfte 50 Jahre und
älter. Bis 2025 wird zudem die Zahl der Bildungsteilnehmer in Westdeutschland
um 17 Prozent, in Ostdeutschland um 14 Prozent zurückgehen.
Bewertung
Der Bericht macht deutlich, dass in den letzten Jahren Fortschritte erzielt
worden sind, die sich in einer besseren Ausstattung wie auch höheren Qualität
der Leistungen im Bildungswesen niederschlagen. Dennoch besteht nach wie vor in
allen Bereichen dringender Handlungsbedarf.
Die demografische Entwicklung bietet hierfür besondere Chancen. So ergibt
sich bis 2025 ein Bedarfsrückgang beim Personal an Schulen und bei den
finanziellen Mitteln um 20 Prozent. Diese freiwerdenden Mittel (demografische
Rendite) müssen gezielt für Qualitätsverbesserungen im Bildungssystem genutzt
werden.
Pressemitteilung der
Kultusministerkonferenz Juni 2010
Bildung in Deutschland 2010
Arbeitsmarkt neu
gestalten